Heute ist Schulschluss in Wien. Für viele Schülerinnen beginnen die Ferien und 8 Wochen Sommer, Sonne, Freunde
treffen, Eis essen. Für andere geht’s das letzte Mal in die „richtigen Ferien“. Wenn sie nämlich ab Herbst eine Lehre beginnen. Also wird’s Zeit für einen Blogbeitrag zum Thema „Lehrlingsrecruiting“.
Ich habe diese Woche am Weg in mein Büro etwas entdeckt:

 

Ein gebrandetes Firmenauto mit dem Hinweis
darauf, das Lehrlinge gesucht werden und auf eine eigene Webpage. Musste ich
mir natürlich ansehen. „Stark im Job – stark für die Zukunft“ so der Slogan,
umrahmt von 2 „coolen“ Jugendlichen. Wie es sich gehört, ein Mädel und ein
Bursch, das Mädel im bauchfreien Top.  Der Lehrberuf, der gesucht wird ist Elektro-
und GebäudetechnikerIn mit einer möglichen zusätzlichen Spezialisierung.
Ob da das Arbeiten im bauchfreien Top möglich ist?
Die Kampagne an sich halte ich für eine sehr
gute Idee. Lehrlinge zu finden, ist nach wie vor nicht einfach. Obwohl beim AMS derzeit
über 4.000 offene Lehrstellen gemeldet sind. Und das im Sommer, wo die meisten
Unternehmen doch schon entschieden haben, wer künftig als Lehrling bei ihnen
tätig sein wird.
Also hab ich schnell mal recherchiert und
noch 2 Kampagnen gefunden (diesmal allerdings im Netz und nicht auf Autos 😉
Mit Video (sowohl vom Vorstandsvorsitzenden
als auch von „echten“ Postronauten), Postronauten Test und der Möglichkeit,
online Fragen zu stellen. Bei mir sind jetzt mal zwei Dinge hänge geblieben: Bei
der Post muss man als Lehrling nicht Kaffee kochen und kriegt das neueste
Smartphone 😉
Beginnt gleich mit einer Rechenaufgabe und
ist im Unterschied zu den ersten beiden Kampagnen nicht für ein bestimmtes
Unternehmen sondern für eine ganze Branche gedacht. Auf einem Foto hat das
Mädel übrigens einen roten Arbeitsoverall an …
Ich habe selbst für unterschiedliche Branchen
und unterschiedliche Lehrberufe Lehrlinge gesucht und dabei immer wieder
festgestellt: am schwierigsten ist es, den jungen Leuten wirklich zu vermitteln,
worum es bei dem Lehrberuf geht. Was man dann später machen kann und welche
Jobchancen sie haben. Gutes Lehrlingsrecruiting ist aufwendig und unterscheidet
sich in einem Punkt nicht vom Recruiting für Berufserfahrene: entweder bekommt
man quasi keine Bewerbungen (Gastronomie zum Beispiel) oder für eine zu
besetzende Lehrstelle über 300 (Bürokauffrau, -mann).
Aber im Unterschied zu anderen offenen
Positionen braucht es noch mehr Vorbereitung, Ressourcen vor dem Jobeinstieg,
während der gesamten Lehrzeit und vor allem strategische Planung. Ich kenne
Fälle, wo tolle Lehrlinge nach der Behaltefrist nicht übernommen werden
konnten. Oder nicht in die Abteilung konnten, die sie sich vorgestellt haben und
deshalb das Unternehmen verlassen haben. Schade um die Investition. Natürlich
haben Recruiterinnen darauf nicht immer Einfluss, aber vielleicht können wir
hier zur Bewusstseinsbildung beitragen.
Und wenn wir schon dabei sind: „Weil ich
nicht mehr in die Schule gehen mag.“ Begründung Nummer eins bei allen
Gesprächen mit Jugendlichen, die ich schon geführt habe und die ich gefragt
habe, warum Sie denn eine Lehre machen möchten. Gleich dahinter die schlechten
Noten (was wiederum bei einigen Unternehme ein ko Kriterium ist). Einmal Blog
lesen erspart also hunderte Motivationsschreiben lesen ;-).
Finde ich sowieso zu viel verlangt von
Jugendlichen. Wissen, was man später einmal beruflich machen möchte, welchen
Lehrberuf man wählen soll und auch noch begründen. Hätte mir mal jemand mit 15
gesagt, dass ich mal im Recruiting lande. Ich hätte gar nicht gewusst was das
ist ;-). Gut dass es mittlerweile whatchado gibt, dass es Kampagnen gibt, die
Einblicke gewähren in den Joballtag und dass es Unternehmen gibt, die
Schnupperpraktika ermöglichen. Weil ich meine, dass wir als Recruiterinnen in
der Pflicht sind und den Jugendlichen ein wenig auf die Sprünge helfen müssen.
Ich darf voll Stolz berichten, dass einer der
ersten Lehrlinge, den ich aufgenommen habe, mir damals beim Bewerbungsgespräch total
überzeugt erklärt hat, dass er jetzt auf jeden Fall die Lehre machen möchte und
zu einem späteren Zeitpunkt wird er sich noch weiterbilden. Was soll ich sagen,
die Lehre mit Auszeichnung bestanden und mittlerweile ein Bachelor Studium
absolviert. Stark oder?
Spannend finde ich jedenfalls, dass auch hier gewisse Trends gibt. Waren es vor einiger Zeit noch Castings (oh die gibts ja noch),  die „dazu gehört“ haben, sind es jetzt offenbar eigene Websites. Bin gespannt was sich da in den nächsten Jahren noch entwickelt.
Und noch ein Hinweis in eigener Sache: DANKE
für über 4.000 Views in 5 Monaten, zahlreiche sehr nette Rückmeldungen,
Kontakte, die sich über den Blog ergeben haben (nicht nur in Österreich sondern
auch in Deutschland und in der Schweiz). Es war ein Experiment und es hat Spaß
gemacht. Und macht es noch – also geht es weiter, aber während der Sommerzeit
ist ein wenig Zurückhaltung angesagt. Daher erscheinen die Blogbeiträge im Juli
und August alle 2 Wochen. Und es gibt noch einiges, was ich vorstellen oder
worüber ich berichten möchte, außerdem werden bereits eifrig weitere Gastbeiträge verfasst …
bleiben Sie dran!
Herzliche Grüße Claudia
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