Im Praxistest: Hokify (vormals JobSwpir bzw. Hokn)

Letztes Jahr wurde zuerst „JobSwipr“, die App zur Bewerbung direkt über das Smartphone mit der Zielgruppe Absolventinnen und Praktikantinnen und kurz danach „hokn“ die Job App für die Zielgruppe 15 – 35-jährige gelauncht. Seit März gibt es nun „hokify“, eine JobApp für alle Jobsuchenden. Wie sich das veträgt? Ganz einfach, denn hokify ist der Zusammenschluss der beiden Apps „Jobswipr“ und „Hokn“.

Wer also aktuell hokn.at besucht, wird auf hokify umgeleitet, bei jobswipr.com genauso. Wie es dazu kam, kann man hier nachlesen. Das wirkt am ersten Blick wohl alles ein wenig chaotisch und wenig geplant. Ich habe das Team von hokify als sehr engagiert, dankbar für Feedback und durchaus ehrgeizig kennen gelernt. Direkt nach Studienabschluss haben sie ihr Unternehmen gegründet, hatten eine Idee und legten los. Dann kam der Markt und es gab Justierungen und weitere Ideen. Das Produkt wurde kontinuierlich ausgebaut und auf die Bedürfnisse des Marktes angepasst. Aus Sicht der Recruiterin gibt es noch Optimierungspotential aber bei welcher Software, App etc. gibt es das nicht?

Nach ihrem Auftritt bei 2 Minuten 2 Millionen und einer weiteren Finanzierungszusage wird es jetzt technologisch (mindestens) einen weiteren Meilenstein geben. Fast ein Jahr nach dem Launch der ersten App, über die wir bereits berichtet haben, wird es Zeit, hokify einem Praxistest zu unterziehen. Diesmal nehmen wir jeweils die Sicht der Jobsuchenden und die Sicht der Recruiterin ein, außerdem gibt es ein Statement von einem Kunden (kein Recruiting-Profi).

Anmeldung:
Jobsuche:
Es ist nicht mehr, wie auf Jobswipr, möglich, sich mit seinem Xing oder LinkedIn-Account anzumelden (was eine sehr angenehme Variante war). Aktuell kann man sich per Mail, Google+, der Handynummer (also SMS) oder via Facebook anmelden. Man bekommt ein Passwort zugeschickt, das übrigens nicht geändert werden kann. „Ausloggen“ ist bei der App unter „Einstellungen“ ganz unten versteckt, beim Webbrowser am PC gibt es gar keinen entsprechenden-Button.
Recruiting:
Man gibt einfach die E-Mail Adresse bekannt, benötigt auch kein Passwort und kann los legen. Die erste Frage, die wir uns (ganz und gar nicht Employer Branding minded 😉 stellen: wo können wir unser Logo platzieren?
Die zweite geht in einen sicherheitsrelevanten Bereich: wo können wir unsere Benutzerdaten und das Passwort ändern? Unsere Anmeldedaten sind übrigens im Spam-Ordner gelandet.
Und in gewohnter Weise wollen wir uns „abmelden“, dies ist nur durch Klick auf Informationen möglich, aber da es sich um eine App handelt, eigentlich gar nicht notwendig.

 

 

Anwendung Smartphone/PC
Jobsuche:
Hokify lässt sich mobil als App und/oder über den Webbrowser am PC nutzen. Praktisch ist, das sich meine persönlichen Daten und Bewerbungsunterlagen leicht am PC erstellen und hochladen lassen. Damit kann ich mich gleich während meiner Jobsuche am Smartphone mit vollständigen Unterlagen bewerben. Es gibt auch die Möglichkeit, sich vom Smartphone eine E-Mail mit einem Uploadlink schicken zu lassen, somit braucht man sich am PC gar nicht einloggen. Bei der Eingabe der Berufserfahrung und der Ausbildung kann nur der aktuelle Arbeitsort bzw. Ausbildung eingetragen werden, der Rest ist danach im hochgeladenen Lebenslauf zu finden. Hier stellt sich die Frage, ob Recruiterinnen nur durch den aktuellen Beruf und die Ausbildung eine Vorentscheidung treffen oder dann doch den CV öffnen.
Recruiting:
Für Recruiterinnen wie mich, die eher am PC als am Smartphone arbeiten, bedeutet der Umgang mit hokify eine Umstellung. Hokify ist ganz klar als App für das Smartphone und nicht für die Tätigkeit am PC optimiert. Eine „Absage“ über das Smartphone, durch einen Klick durchzuführen und vor allem zu wissen, in dieser Sekunde bekommt der Jobsuchende die Antwort kann eine psychologische Hürde sein. Wir sind es zwar gewohnt, schnell zu selektieren, aber üblicherweise suggerieren wir den Bewerberinnen, dass wir uns ausführlich mit ihren Unterlagen beschäftigt haben und senden eine Absage (dank Recruiting Software) zeitverzögert. Oft genau 1 Woche (oder 2 oder 10 Tage, wie es eben im Prozess definiert ist) und nicht in der Sekunde.

Suche nach Jobs / Bewerberinnen
Jobsuche:
Im Gegensatz zu JobSwpir gibt es eine neue Darstellung, zuerst erscheint eine graphische Übersicht der verschiedenen Branchen. Bei Auswahl gelangt man sofort zu den Stelleninseraten. Die Suche lässt sich mit einem Filter einschränken. Dieser beschränkt sich aber nur auf Ort, Typ und Aufgaben. Möchte man also konkrete Jobangebote wie z.B. als Personalverrechner oder sogar nach einem bestimmten Unternehmen suchen, ist dies nicht möglich. Man kann nur die kaufmännischen Berufe auf „Personalwesen“ beschränken und muss sich dann durchklicken. Im Moment gibt es in diesem Bereich zwar erst wenige Jobangebote (ca. 30) je mehr dies wird, desto mühsamer wird dies vermutlich. Sehr praktisch ist die Übersicht, wo man sehen kann bei welchen Unternehmen man sich vor wie vielen Tagen beworben hat und auch, ob man schon in Kontakt ist.
Recruiting:
Das Tinder Prinzip wurde beibehalten und so wie die Jobsuchenden sich durch die Inserate klicken können, habe ich die Möglichkeit mich durch (aufgrund eines Matching Algorithmus im Hintergrund) vorgeschlagene Bewerbungen zu klicken. Leider steht bei den meisten noch keine relevante Info außer dem Namen. Im Moment herrscht hier noch das Prinzip Quantität statt Qualität, mir fehlt schlicht die Zeit, mich durch 100e Bewerbungen zu klicken.

Stelleninserat
Jobsuche:
Wie schon bei JobSwipr gibt es eine gute Übersicht. Man sieht Unternehmen, Standort, Beschäftigungsart und Gehalt auf einen Blick. Mehr benötige ich im ersten Schritt nicht, ein Klick und meine Bewerbung ist abgeschickt.
Recruiting:
Und wieder ist Umgewöhnung angesagt. Da die Darstellung natürlich mobiloptimiert ist, ist es nicht möglich (und auch nicht sinnvoll) Text zu formatieren, Aufzählungszeichen oder ähnliches einzufügen. Und es ist absolut notwendig, sich auf die relevanten Informationen zu beschränken. Am längsten gedauert hat es übrigens, das Titelbild einzurichten. Hat man selbst keines, bekommt man eines von Hokify zur Verfügung gestellt, das ist dann natürlich nicht CD konform und wird möglicherweise von 100 anderen auch verwendet. Ein Kritikpunkt ist, das man ausschließlich Teilzeit oder Vollzeit angeben kann, eine Variante für beides zeitgleich ist nicht möglich (ich bin aber sicher, das wird jetzt schnell nachgeholt ;-). Das Inserat ist nach ca. 2 Minuten schon über die App auffindbar, nach 10 Minuten haben wir tatsächlich die erste Bewerbung erhalten.

Benachrichtigungen
Jobsuche:
Hier kann eingestellt werden, ob Firmen dich finden können und ob und in welcher Art (Handy/Mail) sie dir ein Jobangebot schicken können. Es kann auch eingestellt werden, ob man eine Benachrichtig zu passende neue Jobs haben möchte, leider kann ich selbst keine Auswahl treffen, welche Jobs mich interessieren.
Recruiting:
Hier besteht aus meiner Sicht das größte Defizit. Ich bekomme die Benachrichtigung über eingelangte Bewerbungen per Mail. Die Ansicht der Daten am Smartphone ist für die Positionen, mit denen ich jetzt getestet habe, nicht aussagekräftig genug. Ich muss also in jedem Fall auch den CV öffnen, das finde ich am Smartphone nicht unbedingt praktikabel und komfortabel.

Fazit:
Jobsuche:
Super praktisch! Lebenlauf geht schnell und einfach hochzuladen. Angenehme Jobsuche am Smartphone und gleich die Möglichkeit sich zu bewerben. Es gibt nur noch einzelne Kleinigkeiten, aber sieht man sich die Rezensionen im Playstore an, sieht man, dass das Hokify Team Kritik konstruktiv annimmt, um so ihre App zu verbessern.
Recruiting:
Super Tool, wenn man Jobs für die relevante Zielgruppe zu vergeben hat. Wünsche würde ich mir ganz dringend 2 Dinge:

  1. Ein Dashboard, damit ich einen Überblick über die eingelangten Bewerbungen habe. Derzeit sieht man nur die, die neu eingelangt und noch nicht „beantwortet“ wurden und die, mit denen man Kontakt aufgenommen hat. Interessant finde ich, dass die meisten Bewerberinnen dann nicht direkt über Hokify mit mir kommuniziert haben, sondern mir einfach ein Mail geschickt haben. Die Möglichkeit, irrtümlich auf das rote Hakerl zu klicken ist recht hoch und dann ist die Bewerbung leider „weg“.
  2. Die Anbindung in mein bestehendes Bewerbungsmanagementsystem. Ich verwalte nun quasi 2 Plattformen und das ist nicht unbedingt eine Erleichterung.
  3. Und ich würde es schön finden, wenn ich zumindest eine kurze personalisierte Nachricht mit der „Absage“ mitsenden könnte. Gut, das sind jetzt doch 3 Wünsche 😉

Rücklauf:
Und jetzt der wichtigste Punkt, wie sieht es mit dem Rücklauf aus? Schließlich müssen wir den neuen Recruitingkanal evaluieren, um entscheiden zu können, ob sich ein Inserat lohnt oder nicht. Dafür haben wir haben über einen Zeitraum von 3 Wochen 3 unterschiedliche Jobs veröffentlicht und hier die Ergebnisse:
Junior Consultant IT Bereich
Dies entstand aus einem Beratungsprojekt für einen Kunden, wir haben den Prozess aufgesetzt und das Inserat eingerichtet, alles andere hat direkt ein Geschäftsführer (also kein Recruiter) übernommen, hier sein Fazit: „Die Handhabung ist sehr einfach. Wir haben zwar nur 8 Bewerbungen erhalten, aber 4 davon wurden zu einem Gespräch eingeladen und 1 Person wird jetzt eingestellt. Es hat sich also auf jeden Fall gelohnt!“
Personalverrechnung
Hier war die Erwartungshaltung was den Rücklauf angeht eher gering. Tatsächlich haben wir 19 Bewerbungen erhalten, davon 17 völlig ungeeignet. 2 aber sehr gut, die wir zu einem Gespräch eingeladen haben.
HR Generalist/in
Auch hier wurden wir positiv überrascht. Von 21 Bewerbungen haben wir 3 zu einem Gespräch eingeladen. Das Alter der Jobsuchenden liegt hier übrigens zwischen 17 und 47 (falls es jemand interessiert ;-), Frauen- und Männeranteil ziemlich gleich.

Fazit:
Hokify ist eine anwenderfreundliche App mit Optimierungspotenzial und, für die richtige Zielgruppe eingesetzt, mit Sicherheit ein guter Kanal. Am Ende zählen die Ergebnisse und die waren überraschend positiv! Recruiterinnen werden sicher gefordert, über ihren Schatten zu springen und mal neue Wege einzuschlagen. Wer Lust hat, hokify einmal zu testen und die ausgetretenen Pfade zu verlassen, kann dies übrigens ab September bei unserer Expedition.R machen.

Herzliche Grüße
Claudia

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

code