Ist Loyalität eigentlich ein Privileg der Arbeitgebenden? Oder dürfen sich bewerbende Personen auch wünschen, dass sich potenziell künftige Führungskräfte schon im Recruitingprozess loyal verhalten?

Im Briefinggespräch frage ich meine Kundschaft gerne, was sie sich von künftigen Mitarbeitenden wünscht, das wir vielleicht so nicht in das Jobinserat schreiben (warum eigentlich nicht, wäre doch mal eine erfrischende Abwechslung etwas anderes als „Teamorientierung, Flexibilität und Organisationstalent“ zu lesen). Am häufigsten bekomme ich dann die Antwort „Loyalität“. Übersetzt bedeutet das, das künftige Teammitglied soll bitte nicht nach zwei Jahren wieder weggehen (da könnte ich gleich seitenlang über „loyale“ Angestellte schreiben, die zwar seit 20 Jahren im Unternehmen sind aber… ich hör schon auf, ist ja nicht Thema dieses Posts).

Drehen wir den Spieß doch einmal um: Haben Bewerbende nicht ebenso das Anrecht auf Loyalität?

An irgendeinem Punkt im Recruitingprozess stellen die meisten unweigerlich die Frage nach Referenzen, und zwar ungefähr so:

  • Situation 1: „Da stehen ja gar keine Referenzen im Lebenslauf, ist das ein schlechtes Zeichen?“
  • Situation 2: „Da stehen aber viele Referenzen im Lebenslauf, hat der/die das nötig? Was bedeutet das?“

Liebe Führungskräfte, das bedeutet erst mal gar nix. So wie die meisten nicht als Recruiting-Profis geboren werden, sind auch Jobsuchende nicht unbedingt Profis im Verfassen von Bewerbungen. Die einen schauen im Internet nach, die anderen fragen wen („Claudia, kannst du mal schnell?“) und wieder andere schreiben einfach. Manche denken sicher länger darüber nach, ob und wie viele Referenzen sie angeben, aber ich würde das in keinem Fall überbewerten.

Und jetzt – mein „Lieblingsszenario“:

  • Situation 3: „Ich kenne da eh wen, ich frag da mal schnell unverbindlich nach.“

Warum? Haben Bewerbende nicht ebenso das Anrecht auf Loyalität? Von mir aus auch Vertrauensvorschuss. Wie ernst kann man solche Rückmeldungen denn nehmen? Und wenn wir uns ansehen, wie klein die jeweilige Branchenszene in Österreich ist, dann kann so ein informelles Nachfragen durchaus etwas auslösen, was so gar nicht beabsichtigt war (vor allem wenn die jeweilige Person noch in einem aufrechten Dienstverhältnis ist)!

Ich kenne Führungskräfte, die sind persönlich beleidigt, wenn man sie „verlässt“, andere denken sich, dass man ja nix Schlechtes sagen kann und finden nur positive Worte, auch wenn es in der Realität anders war. Wieder andere sagen am Telefon generell nix (was noch mehr zu Mutmaßungen führt). Und möglicherweise hat ja im vorigen Unternehmen einfach die Chemie nicht gepasst …

Natürlich wünscht man sich eine Bestätigung des eigenen Eindrucks und kann dann mit guten Gewissen sagen: „Ha, hab ich mir doch gleich gedacht!“ Aber was wenn nicht? Wenn der eigene Eindruck durchwegs positiv ist, die Rahmenbedingungen passen und alle Beteiligten eigentlich schon signalisieren, dass man miteinander arbeiten möchte – wie wirkt dann eine negative (manchmal reicht sogar schon eine nicht ausschließlich positive) Rückmeldung? Startet das zukünftige Teammitglied mit dem gleichen Vertrauensvorschuss und Zuversicht, dass es den Job gut erledigt und optimal ins Team passt?

In einem gut durchdachten – zum Unternehmen und zur Funktion passenden – optimal aufgesetzten Recruitingprozess haben sowohl die recrutierende Führungskraft als auch die sich bewerbende Person ausreichend Zeit und Möglichkeit, sich ein Bild von dem Gegenüber bzw. dem Job zu machen. Und dann auf’s Bauchgefühl zu hören. Das weiß auch ohne Referenz Bescheid.

Also – haben sich bewerbende Personen das Recht auf Loyalität? Unbedingt meine ich, wie sollten sie denn sonst loyale Mitarbeitende werden!

Herzliche Grüße
Claudia

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Können Rankings auf Plattformen wie kununu eine Entscheidungsbasis für oder gegen einen Job bilden?

Kununu und das Top Employers Institut haben wieder einmal die beliebtesten und somit besten (!?) Arbeitgebenden in Österreich gekürt. Eines gleich vorweg: Ich finde Transparenz gut und wichtig, daher ist eine Plattform wie kununu durchaus gerechtfertigt. Und als Unternehmerin ziehe ich sowieso meinen imaginären Hut vor der Leistung dieses österreichischen Start ups. Allerdings möchte ich gerne eine Warnung aussprechen, und zwar für alle, die gerade auf Jobsuche sind.

Ich kenne mehrere der prämierten Unternehmen (und das gut genug, um mir meine ganz private Meinung bilden zu können). Wovor ich also warnen möchte? Nein, nicht davor, sich bei dem einen oder anderen Unternehmen zu bewerben. Ich möchte vielmehr anregen, darüber nachzudenken, wie es zu solchen Rankings kommt.

Es gibt Unternehmen, die beherrschen das Spiel mit den (Sozialen) Medien virtuos. Andere (leider) nicht. Macht das einen guten Arbeitgebenden aus? Ich wette, es gibt in jedem gelisteten Unternehmen mindesten eine Person, die meint: „Also für mich ist/war das nix! Ich fühle mich woanders wohler“, und die keine Bewertung auf kununu abgibt. Gleiches gilt natürlich für Beschäftigte in Unternehmen, die nicht unter den Top 20 sind, und die finden „mein Arbeitsplatz ist der beste überhaupt“ – und die auch keine Bewertung abgeben.

Ich habe es ja schon einmal erwähnt, ich habe mich in meinem Berufsleben nie für oder gegen Unternehmen entschieden, sondern immer für die Menschen, denen ich dort begegnet bin. Für mich war das die richtige Strategie. Und trotzdem können sich Umstände ändern: Vorgesetzte und die Kollegschaft wechseln (aus unterschiedlichsten Gründen, zum Beispiel weil sie ein Jobangebot im Ausland haben, den nächsten Karriereschritt im Unternehmen machen, Babypause, Bildungskarenz, und und und …) manchmal hat es trotzdem noch gepasst und manchmal auch nicht. Und so haben ja alle für sich auch eigene Vorstellungen von wegen „Top-Arbeitsplatz“.

Also heißt es, für sich selbst herauszufinden, welches denn MEIN bestes Unternehmen ist. Denn das ist schließlich das einzige, was zählt.

Warum es für Jobsuchende trotzdem interessant sein kann, sich die Bewertungen einmal durchzusehen – und welche Nachteile es haben könnte, als Top-Employer ausgezeichnet zu werden – das erläutere ich gerne ein anderes Mal!

Herzliche Grüße

Claudia

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Wieso und wie wird man eigentlich Recruiterin? Hier kommt meine ganz persönliche Story …

Es war einmal… Nein, ich erzähle hier kein Märchen, es ist tatsächlich so passiert. Kurz vor der Matura (also wirklich kurz davor, so ca. zwei Monate – das können sich die Maturierenden heute sicher gar nicht vorstellen) habe ich mir überlegt, was ich denn dann nach der Matura so machen könnte. Die Option Studium war nach 13 Jahren Schule nicht wirklich eine, ein Job musste also her.

Meine bisherigen Erfahrungen in der Arbeitswelt haben mir nur dazu verholfen einiges auszuschließen und das war: Buchhaltung und Tourismus bzw. Gastgewerbe. Mehrere Praktika in beiden Bereichen haben dazu geführt, dass ich gewusst habe, diese Richtung schlage ich mal nicht ein. Was also sonst? Rat der Familie: „Bitte geh in eine Bank, das ist ein sicherer Job, man kriegt gut bezahlt und falls du mal eine Finanzierung für ein
Haus brauchst…“ (ja ja die gute alte Zeit ;-). Also gut, zwei Bewerbungen an Banken abgeschickt. Und dann war da noch das Schulprojekt, eine Abteilungsleiterin von einem Ministerium hat gemeinsam mit einigen Politikerinnen und Wirtschaftsleuten einen Vortrag gehalten. Diese Frau hat mir damals imponiert und ich nicht feig, hab ihr auch eine Bewerbung geschickt.
Drei Bewerbungen weggeschickt, drei Einladungen zum Vorstellungsgespräch erhalten. Keine einschlägige Berufserfahrung, noch nicht mal einschlägige Ferialpraxis, das Maturazeugnis noch nicht in der Tasche (liebe Maturierenden, bitte nicht weinen, die Zeiten ändern sich nun mal).
Das Gespräch in Bank 1 hab ich nicht mehr wirklich in Erinnerung. Ich bin in eine Filiale marschiert und wurde dort gebeten, ein „Kundengespräch“ zu simulieren. Im Anschluss hat mir jemand erklärt, ich würde nicht gut verkaufen. Kein Wunder, ich wusste ja nicht mal, das ich etwas
verkaufen soll!
In Bank 2 ist es ganz anders gewesen: Ich war in der Zentrale, wurde aufgefordert zu warten und das habe ich. Gute 30 Minuten, ich habe mir gedacht, die haben sicher auf mich vergessen. Dann ist ein honoriger älterer Herr gekommen und hat mich in sein Büro gebeten. Ein riesiger
Schreibtisch, nix drauf. Eine große Uhr an der Wand. Und auf die bzw. auf seine Armbanduhr hat mein Gesprächspartner im Minutentakt geschaut. Aus diesem Gespräch ist mir eine Frage in Erinnerung geblieben: „Soso, auf der Knödelakademie sind Sie also. Da lernt man ja nur kochen, was wollen’s denn da in einer Bank?“ Insgeheim habe ich den Job (welchen auch immer, hatte mich ja gar nicht auf einen konkreten beworben) schon abgeschrieben und habe also mit einem gequälten Lächeln geantwortet. Dann wurde ich noch zu einer Gruppendiskussion eingeladen, wo ich witzigerweise mit einer meiner Klassenkolleginnen zusammengetroffen bin (Stichwort Datenschutz ;-). Und ja, im Ministerium war ich auch. Bei der Abteilungsleiterin, die zufällig gerade eine Karenzvertretung gesucht hat und mir das Büro gezeigt, das Team vorgestellt und etwas über ihre bzw. meine Arbeit erzählt hat.
Sie hat mir auch erklärt, dass ich vorerst nur einen befristeten Vertrag für zwei Jahre bekommen werde. Dann musste ich noch zur „Gesichtswäsche“ zum Herrn Sektionschef, der mir anhand einer Tabelle gezeigt hat, wie viel ich in zehn Jahren verdienen werde. Und das Ergebnis? Zwei von drei! Ich habe zwei Zusagen bekommen, nämlich von Bank 2 und vom Ministerium. Und habe mich nicht gegen etwas sondern für jemanden entschieden. Nämlich für die Frau Abteilungsleiterin, weil ich gedacht habe, von ihr kann sicher etwas lernen. Geblieben bin ich übrigens nur ein Jahr, aber das ist eine andere Geschichte!
Ach so – warum ich das erzähle? Weil ich mich noch ganz genau erinnern kann, dass ich mir bei den beiden Gesprächen in der Bank gedacht
habe: Wahnsinn, was muss ich wohl machen, damit ich auch mal so ein Gespräch führen und entscheiden kann, wer eingestellt wird und wer nicht? Und wenn ich das jemals kann, dann würde ich bestimmt alles anders machen!
Ach so, wie ich dann wirklich im Recruiting gelandet bin – das wäre für einen Beitrag wirklich zu lange, aber ich hole es nach, versprochen!
Herzliche Grüße
Claudia
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recruitingpraxis – der neue Blog rund um Recruiting & Personalmarketing ist online.

Der Relaunch der Website steht an. Kein Problem. Ideen gibt es viele, ein Online Marketing Experte ist im Freundeskreis vorhanden und eigentlich ist eh schon alles klar. Genau, eigentlich ist so ein Projekt ja schnell erledigt. Mitnichten.

So wie meine Kundschaft immer erst einmal schluckt, wenn ich feststelle, dass wir wohl nicht innerhalb von zwei Wochen eine Nachbesetzung finden oder wir den Recruitingprozess eher nicht in zwei Tagen optimiert haben, so habe ich geschluckt nach der ersten Aussage: „Ja, ein paar Wochen dauert das schon und es gibt da noch einiges zu klären.“ Also, SO hab ich mir das nicht vorgestellt. Und das am Ende irgendwie alles darauf hinausläuft, dass ich jetzt meinen ersten Blogbeitrag schreibe… Nein, das war ganz und gar nicht abzusehen.

Und jetzt Schluss mit dem Gejammer (erster Hinweis auf meine Herkunft: zuerst mal ein bisserl schimpfen und wehklagen ;-)) hier ist der erste Blogeintrag von recruiting praxis.

„Bravo!“ „Juhuuu!“ „Super!“ – Ich sehe es vor mir, wie zig Personalisten und Personalistinnen gerade diesen Post lesen, freudig in die Hände klatschen und sich vor lauter Begeisterung gar nicht mehr einkriegen.

Für die zwei oder drei da draußen, die sich jetzt denken: „Hä, warum, wofür, gibt’s doch schon, was soll das denn?“, liefere ich gerne noch eine kurze Erklärung: Natürlich gibt es schon zahlreiche Blogs rund ums Thema Recruiting (obwohl sooo viele sind im deutschsprachigen Raum ja gar nicht), einige lese ich selbst mit großer Begeisterung andere sind, naja sagen wir einmal, weniger gelungen.
Warum also noch ein Blog? Weil es eine interessante und neue Form der Kommunikation ist. Weil ich irgendwann einmal Kommunikationswissenschaft „gelernt“ habe und mich Medien (egal ob Print oder Online oder Sozial) grundsätzlich interessieren. Weil ich gerne schreibe. Weil ich gerne einem Blog gefolgt wäre, der Themen rund um „Recruiting & Personalmarketing“ praxisnah, persönlich und auch mal mit einem Augenzwinkern aufgreift. Weil ich den bisher nicht gefunden habe.

Also hier ist er! Viel Spaß beim Lesen und vielleicht ist ja der eine oder andere Beitrag Anregung dafür, ein kleines bisschen über die eigene Praxis
nachzudenken und da oder dort etwas zu optimieren. Schließlich mach ich das nicht aus Spaß an der Freud‘! 😉

Herzliche Grüße
Claudia

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