„Job seeking is now a 24/7 activity: job seekers search for new positions on mobile during their commute (38%), on the job (30%) and even in the bathroom (18%). “  zitiert Prof. Stephan Böhm,  Professur für Telekommunikation und Mobile Media, Hochschule RheinMain Wiesbaden, aus der Job Seeker Nation Study von Jobvite.

Als ich im Herbst 2015 eine Übersicht über die Start up’s im HR Bereich in Österreich gebracht habe, war instapp noch in der Betaphase. Mittlerweile hat sich einiges getan, am Mittwoch war der offizielle Launch.

instapp präsentiert mobiles Bewerben mit einem Klick
Dem Namen zum Trotz ist instapp keine mobile Recruiting App sondern eine Lösung, die es ermöglicht, sich unmittelbar und einfach zu bewerben, instant application also. Als ob sie es abgestimmt hätten, wurde am 13. April auch die Mobile Recruiting Studie 2016 von Wollmilchsau veröffentlicht. Fazit: 56% der großen Personaldienstleister (in Deutschland) haben ihre Karriereseite nicht für mobile Geräte optimiert.
Prof. Böhm spricht über „The Future of Mobile Recruiting“ und merkt an, dass schon die Definition Mobile Recruiting eine Herausforderung darstellt. Der Begriff wird oftmals unscharf verwendet und schließt Aspekte des Personalmarketings im Recruiting Funnel ein. Mobile Recruiting ist eine Variante des E-Recruiting, dass eine Bewerberansprache auch in mobilen Nutzungssituationen (even in the bathroom 😉 ermöglicht.

Warum braucht es Mobile Recruiting?
In den letzten Jahren verschiebt sich die Web-Nutzung zunehmend vom Desktop zu mobilen Endgeräten. Diese Verschiebung macht sich bereits in vielen Bereichen bemerkbar, die Jobsuche erfolgt bereits zu mehr als 50 % auf mobilen Devices, die Bewerbung ist jedoch im Normalfall nach wie vor nicht komfortabel über das Smartphone möglich.
Und genau hier verschenken Unternehmen ihr Potenzial, zu passenden Mitarbeiterinnen zu kommen. Wer von uns hat nicht noch aus früheren Zeiten einen Karriere-Newsletter abonniert und wirft ab und an einen Blick auf die ausgeschriebenen Jobs? Und wo machen Sie das? Genau zum Beispiel in der U Bahn, am Arbeitsplatz oder vielleicht auch daheim auf der Couch. Und wie oft haben Sie sich gedacht „das klingt interessant, muss ich mir merken.“ Und wie viele der Jobs haben Sie sich tatsächlich gemerkt? Haben sich dann am Notebook das Inserat nochmal rausgesucht? Wenn Sie nicht gerade aktiv auf Jobsuche waren vermutlich wenige bis gar keine. Ich stimme Prof. Böhm daher zu, wenn er meint, dass mobiles Bewerben vor allem für die Zielgruppe von latent Jobsuchenden interessant sein könnte.

Die Karrierewebsite, die Stellenanzeige und das Bewerbungsformular mobil optimiert darzustellen, ist schon ein Schritt in die richtige Richtung. Das alleine ist jedoch nicht ausreichend. Recruiterinnen sind gefragt, den gesamten Recruitingprozess entsprechend zu adaptieren. Zusätzlich muss ein Umdenken in den Köpfen der Recruiterinnen und auch der Führungskräfte stattfinden. Jobsuchende dürfen nicht mehr als Bittstellerinnen, die sich gefälligst anstrengen müssen, um sich überhaupt bewerben zu können, angesehen werden. Wie jede Maßnahme im Recruiting muss auch mobiles Recruiting dann eingesetzt werden, wenn es zur jeweiligen Zielgruppe passt. Manchmal wird es auch weiterhin notwendig sein, die Quantität von Bewerbungen zu reduzieren, ein anderes Mal wird es sinnvoll sein, die Hürden möglichst niedrig zu halten.

Als Beispiel dazu wurden ganz unterschiedliche Zielgruppen genannt, eine davon waren Flüchtlinge, die am Arbeitsmarkt integriert werden sollen. Spannender Ansatz, zu diesem Thema gibt es übrigens schon sehr bald einen eigenen Blogbeitrag!

Wie funktioniert instapp für Jobsuchende?
Dies erklärt Jürgen Melmuka, Gründer und Geschäftsführer von appvelox: „Derzeit müssen sich Bewerberinnen auf unterschiedlichen Plattformen registrieren und geben dabei jedes Mal die gleichen Daten ein. Dies kann pro Bewerbung bis zu 1 Stunde dauern. Mit instapp erstellt man einmal eine Bewerbungsmappe und kann diese plattformübergreifend immer wieder verwenden. Sobald ich nun ein Stelleninserat sehe, das mit dem instapp Button versehen ist, kann ich mich mit nur 1 Klick für diese Position bewerben.“
Aus Recruitingsicht ist der Vorteil, dass instapp kein zusätzliches Tool oder System ist, das ich pflegen und warten muss sondern als zusätzlicher Kanal fungiert. Die Bewerbungen kommen wie gehabt in mein Bewerbungsmanagementsystem und können dann wie gewohnt bearbeitet werden.
Besonders spannend finde ich den Ansatz von Prof. Böhm, dass mobile Recruiting dazu führen muss, dass sich die Qualität der Stelleninserate verbessert. Darauf freue ich mich schon, Sie auch?

Herzliche Grüße
Claudia

3 Kommentare
  1. Gotthard von Törne sagte:

    Mobiles Recruiting stellt Anbieter von interessanten Positionen vor große Herausforderung. Denn ganze Formate, mit denen bislang auf eine Textseite ausgerichtete Informationsangebote konzipiert waren, müssen neu entwickelt werden. Unterstellt, dass die bisherigen Umfänge an Details tatsächlich bewerbungsrelevant waren.
    Gleichzeitig erlebe ich in großer Regelmässigkeit, dass zumindeste für die berufliche Orientierung präferierte Portale wie bekannte Businessportale, auch für individualisierte Nachrichten keineswegs so häufig genutzt werden, wie man zu so einem relevanten Thema wie ein neuer Arbeitsplatz unterstellen möchte.
    Dabei habe ich natürlich die Brille eines Personalbeschaffers/Personalberaters auf – Recruiter ist keineswegs das Gleiche – der zumindest bei der Versprechung für Bewerber, sich mit einer "Standard-Bewerbung" mit 1 Klick bewerben zu können, kritisch ist.
    Denn hier wiederholt sich aus Sicht von Bewerbern der gleiche Denkfehler, der vor mehr als 20 Jahren bereits die Anbieter von Stellen befallen hat: die Suche und Auswahl von KandidatInnen ist wie die Bewerbung auf Stellenangebote eben nicht etwas, was von Automaten geleistet werden kann oder beliebig ohne individuelle Maßnahmen erfolgreich ist.
    Es gibt für BewerberInnen nicht die "ideale" Bewerbung, solange man daran glaubt, dass sich Menschen unterscheiden und auch Arbeitsplätze. Ein Profi-Recruiter muss sich die Haare raufen, wenn er ohne individuelles Eingehen auf zugegebener Maßen konkrete Stelleninformationen eine "Standard-Bewerbung" mit 1 Klick bekommt. Dies gilt generell und wird natürlich mit zunehmender Spezialisierung der Funktion/Position immer bedeutsamer.
    Da ich selbst sehr selten mit Stellenanzeigen arbeite und überwiegend an konkrete Personen adressierte elektronische Stellenangebote verschicke, wäre ich sehr überrascht, darauf Bewerbungen mit einem solchen Tool zu erhalten. D.h. es muss dabei immer die Möglichkeit zur individuellen Ergänzung bieten. Die Möglichkeit zu zeigen, was konkret einen als BewerberIn an einem Stellenangebot reizt und was man zur "Party" mitbringt.

    Antworten
    • Erwin Kreuzer sagte:

      Absolut richtig, und wenn man die Übermittlung der "harten Fakten" mit einem Tool schnell und einfach erledingen kann, statt sich eine Stunde mit Dokumenten, Anhängen und Formularen zu quälen, bleibt genau für den individuellen Teil umso mehr Zeit. Und für die Party!

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  2. Claudia Lorber sagte:

    Lieber Herr von Törne, danke für die Erläuterung Ihrer Sichtweise! Mobile Recruiting stellt uns alle vor interessante Herausforderungen! Klar ist, das hier Wunsch und Wirklichkeit noch weit auseinander klaffen und klar ist, nicht jede Strategie, jeder Kanal funktioniert für alle Zielgruppen gleich gut. Für die Zielgruppe, die InstApp hier ansprechen möchte kann ich mir das gut vorstellen. Die Praxis wird uns zeigen, wie und ob es funktioniert, ich halte Sie am laufenden!
    Herzliche Grüße
    Claudia

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